Pauls Pilotentipps

#28 - Teil 2: Über das Einhängen – oder einfach „gut verbandelt“

von Paul Seren (Kommentare: 0)

Nachdem ich beim letzten Mal die grundlegenden Abfolgen beim Einhängen der Tragegurte in die Karabiner beschrieben habe (siehe Pauls Pilotentipp #28 (1)), folgen nun die nächsten Schritte bis zur Fertigstellung der „Flugbereitschaft“.

Hierzu geht es weiter mit einer sehr wichtigen, aber oft vernachlässigten Baugruppe unserer „Piloten-Gurtzeug-Gleitschirm“-Einheit: Dem Beschleunigersystem!

Ausgehend davon, dass dies irgendwann mal richtig eingestellt wurde (siehe auch Pauls Pilotentipp #23) geht es mit diesem Schritt nun weiter.

Wichtig: Wir hängen immer den Beschleuniger ein – und das aus gutem Grund: Einerseits baumelt das Geraffel nicht irgendwie beim Start zwischen den Beinen herum und verhilft uns dabei zu stilvollen Stolpereinlagen beim Startlauf!

Andererseits ist es einsatzbereit, wenn wir es wirklich brauchen und eventuell keine Zeit oder „Ruhe“ haben, es noch in bewegter Luft nachzuholen.

Außerdem können wir jetzt sehr gut sehen, ob es richtig freigängig eingehängt ist, ohne dass es beim Betätigen durch unachtsame Verwicklungen am Gurtzeug oder gar am Rettungsgriff zu Beeinträchtigungen des Flugvorhabens kommt….

Ein Hinweis: Bei den Darstellung auf den folgenden Bildern wurde bewusst auf einen Helm oder geeignetes Schuhwerk verzichtet: Hintergrund war der reine Demonstrationscharakter der Einzelschritte, die vorherrschenden Temperaturen auf der flachen Wiese bei Windstille und der Wunsch des Fotografen (also mein Wunsch), meine Frau ausreichend „fotogen“ ohne störende Kopfbedeckung abzulichten.

Aber nun geht es wirklich los:

Checkpunkt 7:

Abb. 1

[   ] Beschleuniger freigängig

Hierzu nehmen ich das lose Ende des Beschleuniger-Endes mit seinem Brummelhaken in die Hand und achte darauf, dass ab der letzten Umlenkung im Gurtzeug dieses lose Ende unverwickelt seitlich am Gurtzeug vorbeigeführt wird.

Checkpunkt 8:

Abb. 8

[   ] Brummelhaken richtig verbunden

Wichtig hierbei ist, dass nun die beiden zusammengehörenden Brummelhaken richtig ineinander verbunden werden.

Dabei ist es wichtig, dass der Tragegurt vor dem Einhängen so gedreht, dass die A-Leinen und damit der Flaschenzug des Beschleunigers wirklich zuoberst sind!

Checkpunkt 9:

Abb. 9

[  ] Beschleuniger-Seilführung nochmal auf Freigängigkeit kontrollieren!


Der Teufel ist ein Eichhörnchen – und schafft es, dass trotz sorgfältigen Vorgehens immer noch ein Teil des Gurtzeuges oder der Retter nun doch mit „eingeschlauft“ wurden. Daher nochmal Kontrolle auf Freigängigkeit von der letzten Umlenkung am Gurtzeug bis zum Brummel-Haken-Gegenstück am Flaschenzug des A-Gurtes!

Genauso verfahren wir (Checkpunkt 6-9) mit der anderen Tragegurt-Seite!

Nun sind wir mit dem grundsätzlich gleichen Vorgang für Rückwärtsaufziehen und Vorwärtsaufziehen fertig!

Je nach Wind entscheiden wir uns noch für die Aufzieh-Art:

Bei schwachen oder „Null“-Wind, würde ich mich immer für das Vorwärtsaufziehen entscheiden! Der Mensch ist von seiner Grundkonstruktion nicht für das Rückwärtslaufen geeignet, was er bei schwachen/Null-Wind aber machen müsste. Allein die Stolper- und damit Verletzungs-Gefahr schließt dieses Verfahren schon mal aus.

Bei moderatem Wind, oder bei Leichtschirmen schon bei spürbarem Wind von vorne ist natürlich das „Rückwärtsaufziehen“ empfehlenswert.

Checkpunkt 10:

[   ] Wir drehen uns „richtig richtigrum um“

Hierzu gehen wir ein paar Schritte auf den Schirm zu, heben dann den Tragegurt, welcher „oben“ liegt, hoch und drehen uns unter ihm in die richtige Laufrichtung,

Jetzt können wir das ganze Geraffel – also Tragegurt am Karabiner- erstmal locker runterhängen lassen.

Checkpunkt 11:

Abb. 11

[   ] Sind die A-Leinen am Karabiner wirklich „Vorne Oben“ und gehen unverschlungen bis zu Eintrittskante?

Auch hier ist der Teufel ist ein Eichhörnchen – daher Kontrolle mit Blick auf beiden Seiten vom Tragegurt bis zur Eintrittskante!

Checkpunkt 12:

[   ] Aufnehmen der Steuergriffe

Hierzu lassen wir einfach die Tragegurte samt Karabiner runterhängen.

Dann fahren wir mit der Hand entlang der zu uns gerichteten Unterseite des Tragegurtes und nehmen dann den Steuergriff in die dazugehörende Hand (rechte Hand rechter Griff, linke Hand linker Griff).

Dabei achten wir darauf, dass die Steuerleine unverschlungen vom Steuergriff zur Führungsrolle geht.

Checkpunkt 13:

[   ] Aufnehmen der A-Gurte

Bei meiner Vorgehensweise bleiben die Tragegurte weiterhin einfach unten hängen.

Nun greifen wir mit der Hand von „Oben“ und dem Daumen Richtung Boden in die zusammengehörenden A-Gurte.

Dann führen wir die Hand von „Hinten“ zwischen Tragegurt und Körper durch: Jetzt liegt der Tragegurt richtig auf dem Unterarm!

Checkpunkt 14:

Abb. 14

[   ] Eine letzte Kontrolle der A-Gurte

Hierbei vergewissern wir uns ein letztes Mal mit einem Blick vom A-Tragegurt bis zur Kappe. Ob diese wirklich noch oben liegt, oder ob wir es mal wieder im letzten Moment  geschafft haben, den Tragegurt mit der Hand zu verdrehen :-)

Damit wären wir mit den Vorbereitungen für das Vorwärtsaufziehen fertig.

Mein Tipp bis zur nächsten Woche: Ausprobieren! Das geht auch ohne Hang und Flugwetter!

Und beim nächsten Pilotentipp beschreibe ich, wie wir ab Checkpunkt 10 die Aufziehbereitschaft für das Rückwärtsaufziehen herstellen.

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